asphalt (c) 2000 by Wolfgang Jaafar

 

Abgesang der Töne

Beiläufig: Genau

Bretagne

Gedankensplitter

Grosse Seele

Heimat

Heimkehr

Nachtwache

Nichts Von Alledem

Noiz

Schlafwandeln

Unter Dem Asphalt

Wellenreiten

Zwischen Den Gezeiten

UNTER DEM ASPHALT

Unter dem asphalt
Stehen hohe häuser aus granit
Und zwischen ihnen
Zieht der fluß dahin
Die steine vor sich herwälzend
Immer das gleiche wiederkauend.
Und in den häusern
Die spuren der brände
Die das wasser nicht aufgehalten hatte
Weil nicht zuständig oder willens.
Unter dem asphalt
Ziehen sich die reihen der gräber dahin
Vollgepackt mit frommen sprüchen
Die dem fluß abgelauscht sind
Aber wie schlecht ...
Und die henker der gefühle
Kehren heim in ihre warmen stuben
Reiben sich die hände
Und singen einen neuen auszählreim.
Aber wer zurückbleibt
Über den steinen
Wird von allem nichts bemerken
Wird bloß erblinden
Und den geschmacksinn verlieren.
Ihnen werden die letzten gazetten
Das schlaflied singen
Bis der boden unter ihnen nachgibt
Und sie alle, ohne ausnahme
Der freiheit anheimfallen.

 

© 1982 by Wolfgang Jaafar